Kappungen zerstören Bäume!

Unter einer Kappung versteht man das Entfernen des Großteils der Krone eines Baumes, ohne Rücksicht auf das natürliche Erscheinungsbild.

Zurück bleibt ein Baumtorso ohne Zweige und Blätter. Bei unsachgemäßen Stutzungen werden auch Starkäste (über 10cm Durchmesser) entfernt. Davon zu unterscheiden sind sachgerecht durchgeführte und zur Erhaltung der Stand- und Verkehrssicherheit gelegentlich notwendige Schnittmaßnahmen wie der Erziehungs- und Aufbauschnitt bei jungen Bäumen, Kronenauslichtung, Kroneneinkürzung

(nicht mehr als 20% des Kronenvolumens, Schneiden auf Zugast, keine Veränderung des baumarttypischen Habitus, also der Gestalt etc.).

Die ZTV Baumpflege gibt hier Vorgaben.

 

Oftmals werden radikale Kappungen oder starke Stutzungen durchgeführt, weil die Besitzer der Meinung sind, oder erzählt bekommen, dass dieses notwendige und richtige Baumpflege sei. Sie hoffen, dass der Baum dadurch verkehrssicherer werde oder auch im Herbst weniger Blätter anfallen.

 

Auch wenn Sie es vielleicht noch nicht wussten: Eine solche Maßnahme ist baumzerstörend und entspricht nicht einer fachgerechten Baumpflege. Die Stadt Braunschweig sieht schon lange davon ab, Bäume zu kappen. Beim Baumschnitt aus Verkehrssicherungsgründen wird soweit irgendmöglich darauf geachtet, dass der Schnittdurchmesser 10 cm nicht überschreitet und keine Starkäste unnötig beschnitten werden. Trotzdem dauert es eine Zeit, bis der Baum die Wunde wieder verschließen kann.

 

Wie ergeht es einem Baum, dessen Krone plötzlich entfernt ist?

Im Frühjahr erwacht er aus dem Winterschlaf. Er mobilisiert im Stamm und in den Wurzeln eingelagerte Nährstoffe und macht sich bereit, viele neue Blätter austreiben zu lassen. Jetzt zählt er die Tage, um seinen Jahreszyklus fortsetzen zu können. Spätestens nun entdeckt er die Blockade. Er kommt nicht weiter. Er kann keine Blätter und keine Blüten mehr wachsen lassen. Die Zweige mit ihren Blatt- und Blütenansätzen fehlen oder sind extrem reduziert. Es gibt keine Photosynthese mehr, also keine Sauerstoff- und Zuckerproduktion. Ohne Blätter kann ein Baum nicht überleben. Das notwendige Versorgungsgleichgewicht zwischen Wurzeln und Krone wird zerstört und als Folge der Mangelversorgung können Teile des Baumes absterben. Es kommt dann zu einer Panikreaktion: der Baum produziert an den Schnittstellen eine große Menge an Notaustrieben mit sehr vielen Blättern. Diese neuen Austriebe, auch Ständer genannt, sind jedoch nicht stabil mit dem Stamm verbunden. Sie sind viel bruchgefährdeter als die ursprünglichen Äste. Besonders nach vielen Jahren, wenn die Ständer größer und schwerer werden, wird die Bruchgefahr immer größer.

Zudem dringen über die großen Wunden Pilze und Fäule in das Kernholz ein. Diese zersetzen das Holz allmählich. Dadurch wird der Baum

ebenfalls krank, instabil und letztendlich zu einer Gefahr.

 

Und das Leben um den Baum herum?

Gesunde Bäume versorgen uns mit Sauerstoff, bauen CO2 ab, filtern Feinstaub, spenden Schatten und bieten Lebensraum für Vögel , Insekten und viele andere Tiere. Sie strukturieren den Raum, und erfreuen viele Menschen durch ihre Schönheit und Lebendigkeit. All dies können

gekappte oder stark gestutzte Bäume nicht mehr leisten. Wir brauchen viele gesunde Bäume in der Stadt!

 

Kappungen bringen nicht das gewünschte Ergebnis

Weder gibt es die eventuell gewünschte Reduzierung der Blattmasse, noch kann man durch eine Kappung die Verkehrssicherheit dauerhaft erhöhen. Bäume sind Lebewesen. Sie brauchen ihre Blätter. Sie haben in ihrer seit Jahrmillionen dauernden Entwicklung genügend Strategien

entwickelt, um in der Regel bis ins hohe Alter "stabil" zu sein.

Kappungen zerstören die Bäume. Sie haben nichts mit fachgerechter Baumpflege zu tun. Nach Kappungen besteht ein erhöhter und kostenintensiver Pflegeaufwand, um einen Baum und dessen Verkehrssicherheit zu erhalten. Deshalb sollte ein Rückschnitt gründlich überlegt werden. Sinnvoll ist er nur, wenn es keine andere Möglichkeit gibt, einen Baum zu erhalten. Es ist es gerade bei einem alten Baum wichtig, so viel wie möglich von ihm zu erhalten, da er z.B. auch mit Höhlungen Tieren einen wertvollen Lebensraum bietet.

Deswegen bitten wir alle Bürger und Bürgerinnen unserer Stadt: schützen Sie Ihre Bäume. Lassen Sie es nicht zu, dass Bäume unnötig verstümmelt und zerstört werden!

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Kommentare: 3
  • #1

    Rainer Bielefeld (Mittwoch, 07 Februar 2018 17:13)

    Also dass man das gar nicht mehr sieht kann ich nicht guten Gewissens bestätigen. Photos zu Rückschnittmaßnahmen der letzten Tage zeigen etwas anderes : <https://wp.me/p3Ncw4-1Kp>

  • #2

    Rainer Bielefeld (Donnerstag, 08 Februar 2018 07:37)

    Hallo, gibt es eigentlich allgemein anerkannte aktuelle Standardwerke, die wissenschaftlich begründete Handlungsanleitungen für naturnahe Bewirtschaftung (im weitesten Sinne) von städtischen Parklandschaften bieten? Peter Wohlleben ist ja aller Munde, aber was ich so aus der Diskussion herauszuhören glaube, scheint mir zu sagen, dass das eher keine Argumentationshilfe sein kann.

    Gruß

    Rainer

  • #3

    BI Baumschutz Braunschweig (Freitag, 09 Februar 2018 23:59)

    Vielleicht ist das interessant - nicht so sehr wissenschaftlich, aber gute Denkanstöße: "Bäume auf die Dächer - Wälder in die Stadt" von Conrad Amber.